Bericht November 2008



Bericht November 2008

Reise in den Kongo und Misalisa-Projekt auf dem Kisonga Ntela

von Verena Meining

Am 21.11.2008 kam ich in Kinshasa an, wurde von Freunden abgeholt und sehr gut untergebracht. Ich war froh, endlich in der Wärme zu sein. Bei 28-30°C ist das Leben einfach angenehmer.

Während meines Aufenthaltes in Kinshasa besuchte ich ein Theaterstück, das die Selbsthilfeorganisation Espace Masolo einstudiert hatte. Die Schauspieler waren Kinder, die von ihren Familien der Hexerei beschuldigt und aus diesem Grunde von ihren Familien verbannt worden waren. Sinn dieses Theaterstücks war, auf das Leid und Elend dieser Kinder aufmerksam zu machen sowie an Eltern und Pastoren zu appellieren, diesem unmenschlichen Handeln ein Ende zu setzen. Die Kinder stellten ihre eigenen Erlebnisse mit erstaunlich großem schauspielerischem Talent dar. Es ist zu hoffen, dass sie damit auch ein Umdenken bei der Bevölkerung bewirken.

Ich besuchte zu meiner Information auch das Projekt Espace Masolo und ein Kinderhaus mit Waisenkindern und ehemaligen Kindersoldaten.
Besuche bei der Verwandtschaft meiner Kinder sowie bei Freunden ließen die Zeit sehr schnell vergehen.


Von Kinshasa über Kimpese nach Nkamba 2

Am 5.12.2008 fuhren Robert und ich für den Verein Misalisa e.V. nach Kimpese, das 200 km westlich von Kinshasa liegt. Durch einen starken Wolkenbruch war die Fahrt streckenweise sehr riskant, da die Tiefe der Löcher in den Straßen nicht eingeschätzt werden kann. Wer die Straße gut kennt oder einen Jeep fährt, ist da natürlich im Vorteil.

Wir verbrachten vier Tage in Kimpese auf der Suche nach einem geeigneten Gelände für das Projekt und besichtigten einige zum Verkauf angebotene Grundstücke. Alle bis auf eines waren viel zu klein. Für das große Grundstück verlangte der Verkäufer das 10-fache des ortsüblichen Preises. Deshalb beschlossen wir, nach Nkamba 2, einem Dorf 80 km nördlich von Kimpese zu fahren, wo Roberts Vater sehr weitläufige Ländereien für die Familienmitglieder als Erbe hinterlassen hatte.

Vor unserer Weiterfahrt besuchten wir das landwirtschaftliche Projekt Crafod, eine Organisation in Kimpese, um deren Arbeit kennen zu lernen.
Nach 7 Stunden Fahrt auf der vom Regen ausgewaschenen Lehmstraße kamen wir müde, aber glücklich am 9.12.2008 nachts im Dorf an. Wir wurden sehr herzlich empfangen, und sogar Mama Thérèse, mit 83 Jahren die Dorf- Älteste (sie ist die wichtigste Person des Dorfes – im Bas- Kongo herrscht das Matriarchat), stand noch einmal auf, um uns zu begrüßen. In zwei kleinen Räumen eines Häuschens, das früher Roberts Vater gehörte, durften wir unsere Nachtlager aufschlagen.

Am nächsten Tag besprach Robert mit Mama Thérèse und dem Verwalter der Güter seines Vaters unser Projektvorhaben und das Grundstücksproblem. Mama Thérèse schlug uns vor, den ca. 3 km entfernten Berg Kisonga Ntela und seine Umgebung zu besichtigen, um zu sehen, ob dieses Gelände geeignet wäre. Der Weg dorthin führte über eine Lehmstraße, vorbei an Feldern, durch einen Wald und zuletzt durch ca. 1,5 Meter hohes Pampasgras zur ovalen und relativ großflächigen ca. 400 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Bergkuppe des Berges Kisonga Ntela.

Wir waren überwältigt von der Schönheit des Landes und dem Ausblick über grüne Hügel, Täler und kleine Wälder bis zum Horizont. Wir beschlossen, das Projekt dort aufzubauen, vorausgesetzt die Bewohner von Nkamba 2 sind einverstanden. Théo, der Verwalter, zeigte uns den Verlauf der Grenze des sehr weitreichenden Geländes. Wieder im Dorf angekommen, führte Robert mit den Verantwortlichen Gespräche. Sie beriefen eine Versammlung mit dem Dorfchef ein, bei der das Vorhaben vorgestellt und besprochen wurde. Wir erhielten einstimmig die Zusage, unser Projekt auf Kisonga Ntela aufbauen zu dürfen. Unseren Dank erwiesen wir mit dem üblichen Brauch und überreichten Zucker, Salz, Kaffee und Tee als Geschenk für das ganze Dorf. Am nächsten Tag gingen wir auf den Kisonga Ntela, wo Robert nach überlieferten Ritualen den Ahnen dankte und ihren Segen erbat.


Situation in und um Nkamba 2

Auf dem Dorf leben ca. 20% Erwachsene im Alter von über 35 Jahren, 15% Jugendliche und Erwachsenen von 16 bis 34 Jahren, und 65% Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Da junge Menschen keine Erwerbsmöglichkeiten im Dorf haben, zieht es sie in die Städte.

In Nkamba 2 und den umliegenden Dörfern gibt es keine Werkstätten (z. B. Schreinerei, Schmiede, Töpferei, Schneiderei). In der Stadt wird daher oft Billigware aus China besorgt, da die finanziellen Mittel für Waren besserer Qualität nicht reichen. Um diese Situation zu verbessern, ist es wichtig, geeignete Werkstätten einzurichten und die einheimische Produktion zu fördern.

Als wir mit den Dorfbewohnern über den Anbau von Heilpflanzen und deren Anwendung sprachen, äußerten sie die dringende Bitte, vor Ort in einem Heilpflanzen Seminar geschult zu werden. Dies bestätigt uns, dass der Bedarf und der Wille, etwas zu bewegen, groß sind. Da man manche Erkrankungen sehr gut mit Heilpflanzen behandeln kann. Auf dem Land gibt es keine medizinische Versorgung, der Weg in die Stadt ist beschwerlich, und Behandlung und Medikamente sind teuer.

Um auf das Gymnasium zu gehen oder einen Beruf zu erlernen, müssen die Jugendlichen in ein Internat. Gebühren für Schule und Ausbildung sowie Internat können nur sehr Wenige aufbringen. Deshalb bemühen wir uns um eine regelmäßige Fahrverbindung in die 10 Kilometer entfernte Stadt.

Gemeinschaftliche Aktivitäten wie Theater, Kunst und Musikveranstaltungen sind in den vergangenen Jahren völlig verloren gegangen. Wir möchten die Menschen auch anregen, ihre Fähigkeiten im kulturellen Bereich wieder zu aktivieren.


Projektbeginn von Misalisa e.V.

Am Abend besprachen wir mit den Dorf- Ältesten, wer als Verantwortlicher für das Projekt während unserer Abwesenheit in Frage kommt, womit die Arbeit beginnen und wie sie weitergeführt werden soll. Théo, der Verwalter, wurde zum Projektleiter ernannt mit der Abmachung, bei großem Arbeitsumfang, in Absprache mit uns, zusätzliche Hilfs- oder auch Fachkräfte einzusetzen.

Am 13.12.2008 wurde mit der Arbeit begonnen. Innerhalb von zwei Tagen hatten 30 Frauen, Männer und einige Schüler eine ca. 20 Meter breite Schneise vom Tal bis zur Bergkuppe und um die halbe Bergkuppe herum für den Anbau von Feldfrüchten vorbereitet. Einige Obstbäume, die keine Früchte mehr getragen hatten, weil sie ganz von Wildpflanzen überwuchert waren, legten am dritten Tag Théo und sein Bruder Nsimba frei. Die Arbeiten schritten gut und schnell voran, obwohl sie nur mit Buschmessern verrichtet wurden.

Für 15 Kinder, deren Eltern in finanziellen Schwierigkeiten waren, bezahlten wir das ausstehende Schulgeld, weil sie andernfalls nicht zur Trimesterabschlussprüfung zugelassen worden wären; das Schuljahr wäre nicht anerkannt worden.

Théo gaben wir alle Unterlagen, um die Selbsthilfe-Organisation Misalisa bei der zuständigen Behörde eintragen zu lassen, da wir nicht mehr genug Zeit dafür hatten. Wir bezahlten für die bis zu unserer Abfahrt geleistete Arbeit und ließen Théo Geld da, für die weiteren Arbeiten vor Ort.


Abschied und Rückreise

Am 16.12.2008 traten wir gegen Nachmittag die Rückfahrt nach Kimpese an. Der Kofferraum des Ford Fiesta war voll mit Abschiedsgeschenken der Dorfbewohner: Bananen, Mangos, Orangen, Avocados, Zuckerrohr, Maniokwurzeln und daraus bereitetes Shikwanga, Kochbananen, Erdnüsse, Erdnussmus und als Krönung eine lebende Ziege.

Für die 80 km Lehmstraße benötigten wir sechs Stunden und blieben auch diesmal in tiefen Matschlöchern stecken. Dank Théos Einsatz und gemeinsamer Kräfte konnten wir das Auto ohne fremde Hilfe wieder flott machen. Das Auto und wir sahen aus wie nach einem Schlammbad. Obwohl wir auch Spaß dabei hatten, verdeutlichte uns gerade diese Fahrt, dass wir dringend ein Fahrzeug mit Allradantrieb für das Projekt benötigen, um ohne großes Risiko fahren zu können.

Nach einer Übernachtung in Kimpese fuhren wir zurück nach Kinshasa. Leider blieb nur ein Tag, um mich von Verwandten und Freunden zu verabschieden. Aber ich komme ja in einem Jahr wieder. Am 20.12.2008 traf ich im verschneiten Flughafen von Stuttgart ein.


Finanzielles, Misalisa A.P.E.M.

Die Gelder, die wir bis Ende 2008 in das Projekt investiert haben setzen sich
folgendermaßen zusammen:
• 300,- US-$ Reisekosten Kinshasa bis Nkamba 2,
traditionelle Gast- und Dankgeschenke, Reparatur von 4 Fahrrädern
• 366,- US-$ Schulgeld und medizinische Versorgung einiger Kinder
• 300,- US-$ Arbeitlöhne
• 770,- US-$ laufende Arbeiten, und Saatgut und Setzlinge

Théo hat inzwischen für die Eintragung des Projekts alle Formalitäten erledigt und erfolgreich alle Hürden gemeistert. Das Projekt ist inzwischen im Kongo unter der Bezeichnung „Misalisa A.P.E.M.“ offiziell anerkannt. Diese ab Jahresbeginn 2009 erledigten Arbeiten und die Eintragung des Vereins mit allen Formalitäten (u. a. Kopien, E-Mails, Stempel) betrugen insgesamt
• 750,- US-$.
Um die Anpflanzungen fortführen und den Bau von zunächst 3 Lehmhütten realisieren zu können, haben wir nun noch weitere
• 1000,- US-$ eingesetzt.
(Ein Euro entspricht je nach Kurs ca. 1,25 US-$.)


Aktueller Stand des Misalisa-Projekts

Nutzpflanzen müssen während der Regenzeit (September bis Mai) gesät bzw. gepflanzt werden. Um Leerlauf zu vermeiden ist es wichtig, jetzt noch alles anzupflanzen. Inzwischen sind insgesamt sechs Hektar Land bearbeitet und in Mischkultur bepflanzt, u. a. Süßkartoffeln und Maniok. Sechs Bäume, die ein wunderbares Schattendach bilden werden und eine Art Mandelfrucht tragen, wurden auf der Bergkuppe, Avocadobäume, Papayas und andere Nutzbäume um den Berg herum gepflanzt. Aus den Heilpflanzensamen Moringa sowie Artemisia annua Anamed werden Setzlinge gezogen. Ananas und Zitronengras werden zurzeit angepflanzt.

All dies ist uns wichtig , da durch den Verkauf der Ernte Gelder eingenommen werden, die Misalisa A.P.E.M. wieder einsetzen kann. Das trägt auch zur Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung bei.


Künftige Aktivitäten

Das Schulgeld für ein Jahr beträgt pro Kind 80,- Euro (ohne Lernmaterial). Mit dem Schulrektor haben wir besprochen, dass er uns Kinder auflistet, deren Familien in Schwierigkeiten sind. Diese würden wir gerne unterstützen.
Wir lehnen Patenschaften ab, weil die Situation der Kinder sich schnell ändern kann. Nur für Kinder ohne Familie ist eine gleichbleibende Unterstützung notwendig.

Spenden hierfür sind sehr willkommen!

In den Städten gibt es - trotz der Bemühungen mehrerer Organisationen - sehr viele Waisen, Straßenkinder und ehemalige Kindersoldaten, die kein Zuhause haben. Misalisa hofft, einigen dieser Kinder helfen zu können.

In Absprache mit den Einwohnern sollen die begonnenen Vorhaben weiter entwickelt werden, unter Berücksichtigung von Dringlichkeit und finanziellen und persönlichen Möglichkeiten

Im Dorf Nkamba 2 und auf dem Kisonga Ntela gibt es weder Strom noch fließendes Wasser. An beiden Orten befindet sich ca. 200 Meter bergab eine Quelle, von der Trinkwasser zu Fuß geholt wird. Das kostet viel Kraft und Zeit. Um diese Situation zu verbessern, suchen wir nach einer praktikablen Lösung.

Wir planen Solarstationen einzurichten, um Mobiltelefone und Radiobatterien laden und eine umweltfreundliche Beleuchtung anbieten zu können. Der Bau von Solarkochern und Solartrocknern für die Trocknung von z. B. Tees, Heilpflanzen und Obst ist geplant.

Windkraft könnte wahrscheinlich auf dem Berg gut genutzt werden. Hierfür suchen wir noch erfahrene Menschen, die uns unterstützen möchten?

In der Gegend Kisonga Ntela befinden sich heute nur noch vereinzelte immer kleiner werdende Wälder, weshalb die Aufforstung ein weiterer Teil unserer Projektarbeit werden soll.


Was wir brauchen

Wir freuen uns über Spenden. Informationen zum Spenden und unsere aktuellen Bedarfe an Sachspenden finden Sie hier:
Spenden.

Dringend benötigen wir beispielsweise ein preisgünstiges, tropentaugliches, leicht zu reparierendes und wenig Kraftstoff konsumierendes Allradfahrzeug. Am besten wäre ein Toyota Landcruiser. Dringend benötigt wird auch ein Auto für Krankentransporte. Für schwer Kranke und Frauen, die zur Entbindung ins Krankenhaus müssen, sind 10 km zu Fuß unzumutbar. Wir freuen uns über Angebote!

Bei Sachspenden bitte zuvor Kontakt per Post oder per E-Mail aufnehmen.
E-Mail:
info(at)misalisa.org (Zur Nutzung der angegebenen E-Mails müssen Sie nur noch das (at) mit einem @-Zeichen ersetzten!)

Wir sind dankbar für jede Unterstützung finanzieller und aktiver Art und auch für gute Ideen!

Ich hoffe, ich konnte einen Einblick in die Arbeit von Misalisa e.V. (
www.misalisa.org) vermitteln und grüße alle Leserinnen und Leser ganz herzlich

Verena Meining

Misalisa Projektbericht N